14.292 Kilometer von Jena bis zum weltgrößten Meeresschutzgebiet

Greenpeace-Ehrenamtliche weisen Weg zum bedrohten Antarktischen Weddellmeer

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Meere
Jena, 23.02.2018 – Ein Wegweiser mit der Aufschrift „Weddellmeer Antarktis: 14.292 Kilometer“ hängt seit heute am Holzmarkt Richtung Engelplatz. Mit der Aktion machen Ehrenamtliche von Greenpeace Jena auf eine historische Chance für den Meeresschutz aufmerksam: Im Herbst entscheidet die Antarktis-Kommission CCAMLR (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources) über die Schaffung des weltgrößten Meeresschutzgebiets im Weddellmeer. „Die Antarktis erscheint vielen so weit weg; dabei ist sie unser gemeinsames Welterbe und gehört uns allen. Wir müssen die einzigartigen Ökosysteme der Antarktis erhalten, bevor die industrielle Fischerei dort neue Fanggebiete erschließt“, sagt Lona Frießner, Meeresansprechpartnerin von Greenpeace Jena.
Der fortschreitende Klimawandel lässt die antarktischen Eismassen schmelzen und öffnet bislang unzugängliche Regionen für die industrielle Krillfischerei. Krill, Schwärme von Kleinkrebsen, ist für das Überleben von Pinguinen, Walen und Robben unerlässlich.
Die scheidende Bundesregierung hatte vorgeschlagen, im Weddellmeer ein Schutzgebiet von rund 1,8 Millionen Quadratkilometern einzurichten. Das entspräche etwa der fünffachen Fläche Deutschlands. Beschließen könnte das neue Schutzgebiet die Antarktis-Kommission CCAMLR auf ihrer Sitzung im Herbst 2018. Greenpeace fordert, dass die neue Bundesregierung dort den Schutzgebietsvorschlag gegen Länder mit starken Fischereiinteressen wie Norwegen, China, Südkorea und Japan durchsetzt.

Greenpeace-Expedition weist schützenswerte Meereslebewesen in der Antarktis nach
Aufnahmen aus der Expeditionstour des Greenpeace-Schiffs „Arctic Sunrise“ entlang der antarktischen Halbinsel wurden am 20.02.2018 in Berlin gezeigt. „Diese Aufnahmen unterstreichen, wie wichtig Schutzgebiete in der Antarktis sind“, sagt Greenpeace-Meeresexpertin Dr. Sandra Schöttner, die als Wissenschaftlerin an Bord war. „Die Bundesregierung muss ihrem eigenen Antrag zum Erfolg verhelfen, indem sie sich direkt bei den Blockiererstaaten international für das Schutzgebiet einsetzt.“
Mit an Bord des Greenpeace-Expeditionsschiffs Arctic Sunrise war auch der spanische Schauspieler Javier Bardem. Der Oscar-Preisträger setzt sich dafür ein, dieses wertvolle und sensible Ökosystem vor Schäden durch Eingriffe des Menschen zu bewahren. „Es gibt am Meeresgrund so unglaublich viel Leben. Ich hätte das in diesen Gewässern nicht erwartet. Diese Artenvielfalt muss geschützt werden.“

Empfindliche Ökosysteme am Meeresgrund
Das Forschungsteam unter Leitung der Meeresbodenökologin und Antarktisexpertin Dr. Susanne Lockhart, California Academy of Sciences, untersuchte den Meeresgrund im nördlichen Teil des Weddellmeers sowie westlich der antarktischen Halbinsel. Dafür sammelte das Team bei acht Tauchfahrten hochauflösende Videodaten und nahm Proben, die innerhalb der kommenden Monate ausgewertet werden.